URSULA SCHULZ-DORNBURG
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Ansichten von Pagan mit Franz Rudolf Knubel


12. September 1979


Stadtmuseum Düsseldorf

© Ursula Schulz-Dornburg.
Publikation:


Ein Buddha thront im Stadtmuseum

Im Stadtgeschichtlichen Museum weht's exotisch. Ein goldener Buddha thront am Eingang zur Wechselausstellung. Er Iächelt gen Osten, dem Morgen entgegen. Nach uraltem burmesischen Glauben bringt diese Himmelsrichtung Glück über das Volk. — Die beiden Düsseldorfer Künstler Ursula Schulz-Domburg und Rudolf Knubel haben sich ganz in Mythos und Historie der heiligen Stadt Pagan versenkt. Im Dumont-Verlag ist ihr Fotobuch über Pagan erschienen. Für das Museum haben sie daraus eine Ausstellung gemacht, die heute abend eröffnet wird.

Es ist die erste Sonderschau, die der neue Direktor Dr. Wieland Koenig im Palais an der Bäckerstraße organisiert — und die erste, die sich nicht direkt mit Düsseldorf beschäftigt. Dr. Koenig sagt auch, warum: "Wenn es nach mir ginge, würde das Haus einfach nur 'Stadtmuseum' heißen. Das bedeutet nicht, daß wir die Düsseldorfer Historie vernachlässigen. Aber wir werden uns außerdem mit dem Phänomen Stadt als Form des Zusammenlebens beschäftigen."
Auch das Medium Fotografie soll das Museum locker machen. So hat Dr. Koenig für spätere Ausstellungen bei der Theaterfotografin Lore Bermbach Bilder von Düsseldorfer "Mitbürgern" in Auftrag gegeben, kauft Porträts hiesiger Künstler ein und läßt von einer Fotografengruppe die verpönte Hafengegend ablichten.
Die "Pagan"-Autoren haben ihre Ausstellung auf Anregung des Museums-Chef komplett selbst gestaltet. Das Ergebnis wirkt angenehm sachlich. Die in systematischer, fast wissenschaftlicher Kleinarbeit aufgenommenen Schwarz-Weiß-Fotos umkreisen kühl die Geheimnisse der heiligen Stadt. Pagan, heute ein nur noch ein Dorf mit 3000 Einwohnern, war vom 11. bis 13. Jahrhundert Hauptstadt eines mächtigen Reiches gleichen Namens. Während dieser 200 Jahre liessen die durch Willkür und Bluttaten an die Macht gekommenen Herrscher als Zeichen der Sühne fast 5000 herrliche Tempel errichten. Am Ende waren Finanzen und Kräfte des Volkes von Pagan restlos aufgezehrt. Im Laufe der Jahrhunderte zerfiel die Pracht, die Pagoden wurden ausgeplündert.
Heute ist von Pagans Tempeln nur noch ein 20 Quadratkilometer großes Ruinenfeld geblieben. Der Bildhauer Knubel und die Fotografin Schulz-Dornburg machten aus allen Richtungen Übersicht-Fotos dieser von Pflanzen überwachsenen Zauber-Landschaft. Außerdem zeigen sie die zerbrochenen Buddha-Figuren aus dem Inneren der Tempel. Ohne technische Mätzchen und ohne Gefühlsduselei gelingt es ihnen doch, "Vergänglichkeit einzufangen".

Birgit Kölgen

NRZ, Mittwoch, 12. September 1979

Publikation:


Melancholie des Verfalls

Pagan, ein Dorf In Burma am östlichen Ufer des Irrawaddy, und in seiner Nähe, ein Ruinenfeld von zwanzigtausend Quadratmetern Ausdehnung mit etwa 5000 Sakralbauten aus dem zweiten bis dreizehnten nachchristlichen Jahrhundert: ein sicherlich recht entlegenes Thema für eine Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum. Dort sind zum Auftakt der Saison unter dem Motto "Pagan, Burma - Ansichten einer Stadt" Photographien von Rudolf Knubel und Ursula Schulz-Dornburg zu sehen, die bereits 1978 in Buchform im Studio Dumont veröffentlicht wurden. Soll man sich über solche Exotik im Düsseldorfer Milieu nun freuen oder wundern?
Pagan war die Haupt- und Residenzstadt eines gleichnamigen Reiches, das im 11. Jahrhundert unter König Anawrahte nach der Eroberung der Hauptstadt des südlich gelegenen Mon-Reiches 250 Jahre lang seine größte Macht entfaltete. Die aus dem Mon-Reich entführten Architekten, Künstler und Handwerker statteten es mit prachtvollen Tempeln aus, die unter den folgenden zehn Herrschern noch um tausende von Bauten vermehrt wurden. Von den Besiegten hatte man auch ihre Kultur und Religion, den Hinayana-Buddhismus, übernommen.
1267 wurde Pagan von den Mongolen unter Kublai-Khan erobert, der jedoch die Tempel schützte. Nicht der Mongolensturm zerstörte Pagan, das sich uns heute als grandioses Ruinenfeld darbietet, sondern die Zeit selbst, auch spätere Plünderungen, und Gleichgültigkeit. Erste Restaurierungen setzten erst 1897 ein.
Die Serie von Photographien, zu verschiedenen Tageszeiten aufgenommen, viele in der Frühe, kurz nach Sonnenaufgang, wenn der Morgendunst noch alles geheimnisvoll mit Schleiern umhüllt, tastet sich an die Melancholie dieser Stätte des Verfalls heran. Sie wird von der Natur, ihrem Wachsen und Weben umhüllt. Doch die einstige Größe, die Versunkenheit in ferne Jahrhunderte sind gegenwärtig.
Der Ort erzählt seltsame Geschichten. So die von den Maurern des Dhammayangyi-Tempels, die hingerichtet wurden, weil die Überwacher der Bauarbeiten eine Nadel zwischen zwei Backsteine zu stecken vermochten. Oder die vom König Narathu, der mit eigenen Händen seinen Vater ermordete, um an die Macht zu kommen. Doch die von ihm zur Sühne seiner Verbrechen gebauten Tempel waren in jedem Zoll Abbild einer kosmischen Ordnung.
Aufnahmen von Buddha-Bildnissen, geformt aus Ziegelsteinen, Mörtel und Stuck, halb versunken im Schutt der Jahrhunderte, tragen die Spuren zerstörerischer Hände, die gewaltsam und gierig die heiligen Idole zerstörten,um die in ihrem Innern verborgenen Schätze zu rauben.

Yvonne Friedrichs

Rheinische Post, 27 September 1979

© Ursula Schulz-Dornburg