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Ansichten von Pagan mit Franz Rudolf Knubel


29. März - 27. April 1979


Deutsche UNESCO-Komission
Bonn

© Ursula Schulz-Dornburg.
Publikation:


Fata Morgana

Ungewöhnlicher Blick auf Burma


Pagan, Burma: den meisten kein Begriff, für Morgenlandfahrer ein Mythos, weil schwer zugänglich und vom Tourismus noch ausgespart. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert Hauptstadt eines hinterindischen Reiches buddhistischer Observanz, wurde Pagan 1287 von den Mongolen erobert, die heiligen Stätten jedoch verschont: "Kublai Khan befahl seinen Truppen, die Tempel zu schützen. Einige Pagoden wurden später noch gebaut. Die Feinde Pagans waren die Zeit, Plünderungen, Vernachlässigung und Unkenntnis" (W. E. Garrett). Übrig blieb ein Ruinenfeld von zwanzig Quadratkilometern, mit den Resten von 5000 Sakralbauten das größte Südostasiens. Um seine Erhaltung ist die UNESCO jetzt sehr besorgt, nachdem eine Überschwemmung des Irrawaddy-Flusses wieder schwere Schäden angerichtet hat.

Wer mehr über Pagan wissen möchte, greife nicht zu diesem Buch, das weder unterrichten noch anschaulich machen will. Statt dessen vermittelt es auf kühle, manchmal preziöse Weise den Schock einer ersten Begegnung mit unbegreiflichen Kulturtrümmern. In achtzig Aufnahmen, meist Totalen, wird die Anlage umkreist, zu verschiedenen Tageszeiten, bei wechselnder Beleuchtung, alltäglich und visionär, verschleiert oder grell überzeichnet, weggeschoben und hergeholt, ungreifbar trotz gelegentlichem Näherkommen, Fata Morgana einer entglittenen Zeit. Fast banal dann der abrupte Anblick porösen Mauerwerks, das erst aus mittlerer Distanz konstruktiv wirkt. Ein stummes Fürsichsein amorpher Ruinen im Übergang zu Natur oder zu Kunst, wenn das Teleobjektiv Stupenkegel, Baumbewuchs, Bergzüge und den Strom zu fernöstlichen Tuschbildern zusammenschiebt.

Manipulierung des Apparats, des Sehens? Wenn ja, dann mit dem, gleichen Recht wie das kunst- und kulturhistorische Photo auch, das durch Achsialität und Herangehen eine falsche Vertraulichkeit schafft, dabei den Graben jener Fremdheit überspringend, um den es Ursula Schulz-Dornburg gerade zu tun ist. Geschichte, so auch die Erfahrung heutiger Künstler, läßt sich allenfalls anlesen, nicht nachvollziehen. Was von ihr blieb, sind faszinierende Hohlformen der Phantasie, Schemen wie jene Umrisse sitzender Buddhas in den Tempeln, die den Band beschließen. Sie wurden von Plünderern abgetragen, um zu den eingemauerten Preziosen zu gelangen.

Insgesamt nähert sich das Verfahren der Autoren einigen die Photographie einsetzenden Künstlern: Bernd und HilIa Becher beim Umkreisen von Architekturen, dem Landschafter Hamish Fulton, was das geduldige Erwandern und Auf-sich-Einwirken-Lassen von Mälern anbelangt. So darf man erwarten, daß studio dumont, welches mit den "Ansichten von Pagan" eine neue Photoreihe einleitet, auch Zyklen jener Künstler nähertritt, die der auf perfektem Niveau stagnierenden Photographie seit einigen Jahren neue Inhalte, Sehweisen, ja Aufgaben zutragen. Zu denken wäre an Nikolaus Lang, P. A. Gette, Barbara und Michael Leisgen.


Günter Metken

SZ 4.-5.11.1978

© Ursula Schulz-Dornburg