URSULA SCHULZ-DORNBURG
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Der Tigris des alten Mesopotamien mit Franz Rudolf Knubel


21. August bis 4. Oktober 1981


Kestner-Gesellschaft
Hannover

© Ursula Schulz-Dornburg.
Publikation:


Land aus Schilf und Wasser

Fotoausstellung in der Kestner-Gesellschaft

"Der Tigris des alten Mesopotamien — Darstellung einer Reise in die Republik Irak 1980" überschreibt Franz Rudolf Knubel seinen knappen, nüchternen Bericht über eine Unternehmung, die er mit Ursula Schulz-Dornburg ins alte Mesopotamien unternommen hat. Knubel lehrt Designtheorie und Wahrnehmungslehre in Essen, Schulz-Dornburg ist Fotografin. Die Reise ist — nach einer Burma-Fahrt — die zweite Unternehmung zweier Künstler, zu den Anfängen menschlicher Kulturen zurückzufinden, Ein "Traum", heißt es im Vorwort — der Wunsch, "zum Ursprung der Mythen, zur Synthese von Land und Wasser, zum Land der Sintflut" zu kommen.
Die Künstler, beide Jahrgang 1938, haben diesen Traum realisiert und für andere begreifbar gemacht: in der Kestner-Gesellschaft Hannover ist als Studio-Ausstellung, von der Republik Irak unterstützt, die Reise in das Land aus Schilf und Wasser in Fotos dokumentiert. Nichts ist geblieben von den Schwierigkeiten, heute durch das alte Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris zu fahren. Nichts wird dem Betrachter überliefert von den Abenteuern, den Hindernissen, den Gefahren, der Hitze. Keine Fundstücke, kein Schilfhalm zur Erinnerung. Die Spuren dieser Reise sind eingegangen in eine stumme, eindringliche Folge von Fotografien, in unsentimentale Bilder von Natur, von Menschen und ihren Wohnungen. (Eine Gemeinschaftsarbeit im übrigen, ohne Hinweis darauf, wer welche Fotos gemacht hat.)
Schulz-Dornburg / Knubel fanden auf Ihrer Reise zum Arabischen Golf einen mächtigen Strom zwischen den beiden Flüssen, der wahrscheinlich dem Lauf des Tigris im alten Mesopotamien entspricht. Sie fotografierten, von den Ufern, von der Flußmitte aus, und die Fotofolge der Ausstellung entspricht ihrer langsamen Fahrt in eine biblische Welt: Lehmgebäude von Bauern am Fluß, Kühe, Eselreiter, eine Palme, eine Gruppe von Palmen, Häusergruppen und Zeichen für Gegenwart — ein Leitungsmast, ein landwirtschaftliches Fahrzeug, vermummte Gestalten; schließlich die weite, offene Ebene, in der Land und Wasser ineinander übergehen, Schilfinseln, Schilffelder, Leute in Kähnen, Häuser aus Schilf. Es sind menschliche Behausungen wie eine Arche Noah — schwimmende Hütten, kunstvoll geflochtene Mauern, Dächer und Zäune, Ur-Häuser wie Schiffe im Strom, schweigende Zeugnisse einer archaischen Zivilisation.
Die Fotos, schwarzweiß, von durchgängig mittlerem Bildformat, sind bestimmt von den ruhigen, durch nichts zu irritierenden, breiten Horizontalen der Landschaft. Zwischen Wasser und Himmel liegt das Land, breitet sich das Schilf aus — schmale Streifen am Ende der Welt, wo die Gleichförmigkeit feierlich wird und die Ruhe der Motive meditativ. Wenn Wind weht und das Wasser kräuselt; wenn sich das Schilf bewegt, wenn ein Vogel auffliegt, ein Boot gleitet, wenn Palmen sich im glatten Strom spiegeln, füllt sich die Ruhe an mit Leben. Die uralte Kulturlandschaft ruht in sich. Daß die Realität andere Seiten hat, daß im Irak gekämpft wurde, haben die Künstler erlebt. Gesucht und gefunden haben sie ihren Traum.


Ursula Bode

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Mittwoch, 16. September 1981

Publikation:


Bilder bestechender Harmonie

Fragen oder gar Ansprüche auf Komfort, auf Versorgungssicherheiten werden im tourismusgeschädigten Betrachter zurückgerängt bei den Fotografien aus dem Zweistromland an Euphrat und Tigris, wo Ursula Schulz-Dornburg und Franz Rudolf Knubel sich 1980 aufhielten, um den Garten Eden kennenzulernen.

Die Bilder von den Stationen einer Reise in menschliche Urexistenz und Urkultur sind derzeit in der Kestner-Gesellschaft Hannover ausgestellt, ein Lehrstück für Architekten, wie gleichermaßen für die zivilisationsabhängige Wohngesellschaft schlechthin.
In den ganz bewußt nicht aufwendigen, stillen Schwarz-Weiß-Fotos spiegelt sich in den Wassern der ruhig dahinfließenden Ströme die vollkommene Synthese von den Spuren menschlicher Existenz — und das sind weidengeflochtene Hütten, aus Lehm gebaute Dörfer und leichte Boote — mit den natürlichen Gegebenheiten. Die Harmonie ist bestechend, weil sie sich nicht in trügerischer Idylle verliert, sondern im Ausgleich von Funktion und Bedürfnis basiert. Land und Wasser tragen. Mensch und Haus, und diese lapidare Selbstverständlichkeit ist der Schlüssel zu einer ursprünglichen Kultur und Architektur, die in ihrer Ausgangsposition, dem Lebensanspruch des Menschen in einer ihm gerechten Umgebung, übertragbar ist. Ein sorgfältiger Katalog, "lakonisch" (Carl Haenlein) wie die Fotografien, hält die Bildeindrücke der Reise fest. Die Ausstellung wird bis zum 4. Oktober 1981 geöffnet sein.


G. B.

© Ursula Schulz-Dornburg