URSULA SCHULZ-DORNBURG
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Dort, wo herkömmliche Arten aussterben, verlieren die Menschen etwas von ihrer Geschichte und Kultur.

 

Die Aufnahmen der Ähren entstanden in der FAL, Braunschweig und im Vavilov-Institut in Sankt Petersburg, einer Weizen-Gen Bank, in der mehr als 66.000 verschiedene Weizenarten katalogisiert und archiviert sind. Der Aufbau der Installation gleicht einer Ahnengalerie, in der jede Weizensorte als ein Teil der Kulturgeschichte gelesen werden kann, in der sich der Mensch diese Pflanze zunutzen machte. Die individuelle Vielfalt des Weizens wird somit zum Spiegel verschiedener Kulturen, Epochen oder klimatischer Verhältnisse. Die Metapher des Weizens setzt aber auch kritisch ein Zeichen für den Wandel und die Entwicklung von der vorgefundenen Natur hin zur deren Kultivierung, vom Wildgras zur Kulturpflanze. Selektiert und gezüchtet, bestimmt durch Angebot und Nachfrage, wurden im Laufe der Zeit nur jene Sorten „genetisch“ kultiviert, die im globalen Wettbewerb den maximalen ökonomischen Nutzen erzielten. Analog dazu fordert dieser Fortschritt, wie der Titel schon sagt, seine Verluste. Die Installation von Ursula Schulz-Dornburg dokumentiert den Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Erforschung der traditionellen Vielfalt und deren Reduktion zugunsten des rentablen Hybridweizens. Sie verweist damit auch auf die Komplexität menschlichen Handelns im Kontext Mensch-Gesellschaft-Umwelt.

 

Alexandra Kolossa.



Ausstellungskatalog: Natural Reality, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, 1999






© Ursula Schulz-Dornburg