URSULA SCHULZ-DORNBURG
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Kurchatov


© Ursula Schulz-Dornburg.

Die Vorstellung, in dieser Steppe fast am geographischen Mittelpunkt von Eurasien, Humboldt zu begegnen, der 1829 bei seinem Vorstoß zum Altaigebirge, dem Lauf des Irtysch folgend, hier vorbei gekommen war, verschwindet gleich nach der Ankunft. Sein Blick hatte die Gestaltung der Bodenfläche, die Richtung der Gebirgsketten, den Zusammenhang der Steppen und Wüsten und die geographische Verbreitung von Pflanzen nach gemessenen Temperatureinflüssen erfaßt. Heute bedecken die leicht gewellte Ebene zahlreiche Findlinge, rätselhafte, von den Menschen und der Zeit geformte Bauten und Gegenstände, Relikte eines mächtigen Totenkults.

Der Besuch des Atomwaffentestgeländes Kurchatov in Kasachstan, westsüdwestlich der Stadt Semei (russ. Semipalatinsk, Dostojewski`s Verbannungsort), führte die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg in eines der immer zahlreicher werdenden Gebiete der Erde, die von der Wissenschaft auf Jahrhunderte für Menschen unbewohnbar gemacht werden.

Im August 1949, vier Jahre nach Hiroshima, zündete hier die Sowjetunion ihre erste Atombombe. Bis 1963 gab es 124 Versuche in der Athmosphäre, dann wurden über 350 Bomben unterirdisch getestet. 1991 erfolgte der Abzug der Russen. Die Stollen und Tunnel ins Innere der Erde zu den neu gebildeten Seen und tektonischen Verschiebungen wurden verfüllt und notdürftig verschlossen. Über der Erde leben Pflanzen, Tiere, Wasser und Wind mit dem nuklearen Niederschlag und seinen Folgen. Das Testgelände ist stillgelegt. Gegenstand der Ausstellung ist diese Stille.

Nomaden und organisierte Banden haben die Anlagen ausgeschlachtet und das Altmetall über die chinesische Grenze verschoben. Verstrahltes Material. Im allseitigen Zusammenhang der Natur, den Humboldt im Auge hatte, durchdringt es weiter die Welt in der wir leben. Archivaufnahmen von architektonischen Skulpturen, Messtürmen, Betonwürfeln, Drahtskeletten und Erdlöchern, in denen tausende von Tieren geopfert wurden, um die Wirkung der Bomben zu testen, bilden den historischen Hintergrund für die Fotoarbeiten von Ursula Schulz-Dornburg, die 2012 im selben Gebiet entstanden sind.


Peter Kammerer, 24.2.2014





© Ursula Schulz-Dornburg