URSULA SCHULZ-DORNBURG
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Licht, das durch Raum und Zeit wandert.

Zu Hause in Düsseldorf hält es sie meist nicht lange. Ursula Schulz-Dornburg (geboren 1938) ist eine besessene Globetrotterin. "Reisen ist für mich wichtig — je ferner desto klarer werden die Positionen", erklärt die Fotografin. Dabei jettet sich nicht rund um den Erdball auf der Jagd nach Spektakulärem, sondern sucht Orte der Stille, vergessene Landschaften, archaische Situationen.
Sie habe "gewisse Ideen im Kopf, so die Künstlerin, von denen sie "erzählen" wolle. Um zu ihrem Ziel zu gelangen, scheut sie keine Strapazen. Tagelang kletterte sie entlang der georgisch-aserbaidschanischen Grenze in den Felsen des Transkaukasus, wo versteckte Höhlenkammern liegen — vor Jahrhunderten von verfolgten Christen in die schroffen Wände des Gebirges gehauen. Im Inneren entstanden die fesselnden Aufnahmen ihrer Serie "Grenzlandschaften" (1998/2000): Bilder, von unendlicher Einsamkeit, bedrückender Enge, absolute Stille.
Ursula Schulz-Dornburg, Tochter eines Architekten, fotografiert fast ausschließlich schwarzweiß und bevorzugt das Thema Architektur: Gebäude, als Schutzraum, als Zuflucht, als Zeichen von Werden und Vergehen. Im Lauf der Jahre hat sie einen untrüglichen Blick für bizarre, poetische Motive entwickelt. So zeigt ihre Serie "Transitorte" (1997/2000) zerfallende Bushaltestellen in Armenien, erbaut zur Breschnew-Ära als kommunistische Verheißung einer besseren Welt. In den ruhigen, klar komponierten Bildern der Fotografin wirken die ramponierten Unterstände und die hier ausharrenden Menschen seltsam verloren in der Weite der Landschaft.


© Ursula Schulz-Dornburg.


Ursula SchuIz-Dornburg, die am Münchner Institut für Bildjournalismus gelernt hat, griff viele Impulse für ihre Arbeit auf. Als die gebürtige Berlinerin 1967 ein Jahr in New York verbrachte, begeisterte sie sich für die Werke von Robert Frank, Dorothea Lange und Walker Evans. Gerade der sozialkritische Aspekt in den Fotografien der Amerikaner imponierte der studierten Sozialpädagogin. Auch bei den deutschen Klassikern der Architekturfotografie, Bernd und Hilla Becher, fand sie viele formale Anregungen. "Allerdings habe ich nie gelernt, mich systematisch an Vorbildern auszurichten" erklärt die Künstlerin.
In der internationalen Fotoszene hat Ursula Schulz-Dornburg mit ihren eigenwilligen Arbeiten längst einen Namen. Doch eine große Werkschau der 64-Jährigen kam erst jetzt zustande: Im spanischen Valencia präsentiert das Institut für moderne Kunst fünf fotografische Serien, entstanden zwischen 1980 und 2001. Zu den Höhepunkten der Schau gehört Schulz-Dornburg formal strengste und wohl auch schönste Bildfolge "Sonnenstand" (1991/92): Hauptdarsteller dieser Serie ist das Licht, das durch Raum und Zeit wandert. Zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten fotografierte die Künstlerin in den spanischen Pyrenäen die Strahlen der Sonne, die sich durch eine kleine Öffnung in das Dunkel einer alten Einsiedler-Kapelle, errichtet im 10. Jahrhundert, ergießen.



Angelika Kinderman

art DAS KUNSTMAGAZIN, Nr. 8 August 2002

© Ursula Schulz-Dornburg